DFG Heisenberg-Förderung (461951001)
Die meisten semantischen (und pragmatischen) Theorien kontextsensitiver Interpretation basieren auf der (meist impliziten) Annahme, dass es den Äußerungskontext gibt, d. h. dass es genau einen Äußerungskontext pro Äußerung gibt. In diesem Projekt werde ich diese Annahme des sogenannten „Monokontextualismus“ in Frage stellen, indem ich zahlreiche problematische Fälle zusammentrage. Dies wird uns dazu führen, diese Grundannahme zugunsten eines Multikontextualismus aufzugeben: Für die Interpretation vieler natürlichsprachlicher Äußerungen benötigen wir mehr als einen Kontext, um die Interpretation korrekt zu erfassen.
Anstatt jedoch semantische Theorien der Kontextabhängigkeit wie Kaplans Rahmen aufgrund dieser Herausforderungen über Bord zu werfen, schlage ich eine Erweiterung von Kaplan-artigen Ansätzen durch das vor, was man als Multikontexte bezeichnen kann. Darunter verstehe ich einen Makrokontext, der eine Vielzahl „klassischer“ Mikrokontexte umfasst und so die Probleme lösen kann, während die grundlegenden interpretativen Strategien erhalten bleiben. Dies führt zu einer Auffassung von Kontexten und kontextabhängiger Interpretation, die auch geeignet ist, Äußerungen in komplexeren Gesprächssituationen als idealisierten Dialogen zu interpretieren und sprachliche Mittel zur Steuerung linguistischer Interaktionen in multiagentiven Diskursen zu erfassen.